doppelgedächtnis: debatten für europa 10
15. Juli 2009, im
Louise-Schroeder-Saal des Berliner Rathaus
Iveta Radicová (Slowakei) und Frans Timmermans (Niederlande)
Gesprächsleitung: Stefan Theil (Newsweek)
Lesen Sie weiter: Rede von Iveta Radicová Slowakisch
Lesen Sie den Beitrag in der Anthologie Freiheit, ach Freiheit...
„Nach vierzig Jahren Bundesrepublik sollte man eine neue Generation in Deutschland nicht über die Chancen einer Wiedervereinigung belügen. Es gibt sie nicht“ – sagte im Juni 1989 Gerhard Schröder (Bild-Zeitung, 11. Juni 1989), der später, im 15. Jubiläumsjahr des Mauerfalls als Bundeskanzler dann doch von einem „Glücksfall“ sprach. Im Jahr 1989 bezeichnete er die „Idee Wiedervereinigung“ „reaktionär und hochgradig gefährlich“. Damit war er nicht allein: der Fraktionsvorsitzende der Grünen im hessischen Landtag, Joschka Fischer hielt die Forderung nach der Wiedervereinigung für „eine gefährliche Illusion“ und schlug vor, „das Wiedervereinigungsgebot des Grundgesetzes aus der Verfassung (zu) streichen“. „Wiedervereinigung? Welch historischer Schwachsinn!“, meinte Oscar Lafontaine im Dezember 1989. Nobelpreisträger Günter Grass ging gegen die Wiedervereinigung mit dem Hinweis auf Auschwitz an: nach dem Mauerfall, im Dezember 1989 erklärte er dem Bundesparteitag der SPD in Berlin unter großem Beifall der Delegierten, die Deutschen hätten „wegen Auschwitz“ das Recht auf die Einheit des deutschen Volkes verwirkt. SPD-Präsidiumsmitglied Egon Bahr fünf Wochen vor der Grenzöffnung: "Lasst uns um alles in der Welt aufhören, von der Einheit zu träumen oder zu schwätzen." Und für Willy Brandt, der später den gerühmten Satz prägte: "Jetzt kommt zusammen, was zusammen gehört!", war die Hoffnung auf Wiedervereinigung im September 1989 „die Lebenslüge der Zweiten Republik"...
Lesen Sie weiter: Eröffnungsworte der Initiatorin Zsuzsa Breier

Iveta Radicová ist Soziologieprofessorin, sie war die erste weibliche Präsidenten-Kandidatin der Slowakei, gilt als Hoffnungsträger der christlich-demokratischer Oppositionsparteien der Slowakei.
Frans Timmermans ist Europaminister der Niederlande. Der studierte Europarechtler und Literaturwissenschaftler war Abgeordneter der sozialdemokratischen Partei der Arbeit (PvdA).
Was haben die Europäer im Osten und im Westen aus der Geschichte gelernt?
Wie gehen die Gesellschaften mit der neu gewonnenen Freiheit um?
Was sind die Konsequenzen der geteilten Geschichte?
Teilen die Europäer ihre Geschichte? Finden die getrennten Erinnerungen zusammen?
„Nach vierzig Jahren Bundesrepublik sollte man eine neue Generation in Deutschland nicht über die Chancen einer Wiedervereinigung belügen. Es gibt sie nicht“ – sagte im Juni 1989 Gerhard Schröder (Bild-Zeitung, 11. Juni 1989), der später, im 15. Jubiläumsjahr des Mauerfalls als Bundeskanzler dann doch von einem „Glücksfall“ sprach. Im Jahr 1989 bezeichnete er die „Idee Wiedervereinigung“ „reaktionär und hochgradig gefährlich“. Damit war er nicht allein: der Fraktionsvorsitzende der Grünen im hessischen Landtag, Joschka Fischer hielt die Forderung nach der Wiedervereinigung für „eine gefährliche Illusion“ und schlug vor, „das Wiedervereinigungsgebot des Grundgesetzes aus der Verfassung (zu) streichen“. „Wiedervereinigung? Welch historischer Schwachsinn!“, meinte Oscar Lafontaine im Dezember 1989. Nobelpreisträger Günter Grass ging gegen die Wiedervereinigung mit dem Hinweis auf Auschwitz an: nach dem Mauerfall, im Dezember 1989 erklärte er dem Bundesparteitag der SPD in Berlin unter großem Beifall der Delegierten, die Deutschen hätten „wegen Auschwitz“ das Recht auf die Einheit des deutschen Volkes verwirkt. SPD-Präsidiumsmitglied Egon Bahr fünf Wochen vor der Grenzöffnung: "Lasst uns um alles in der Welt aufhören, von der Einheit zu träumen oder zu schwätzen." Und für Willy Brandt, der später den gerühmten Satz prägte: "Jetzt kommt zusammen, was zusammen gehört!", war die Hoffnung auf Wiedervereinigung im September 1989 „die Lebenslüge der Zweiten Republik"...
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Iveta Radicová ist Soziologieprofessorin, sie war die erste weibliche Präsidenten-Kandidatin der Slowakei, gilt als Hoffnungsträger der christlich-demokratischer Oppositionsparteien der Slowakei.
Frans Timmermans ist Europaminister der Niederlande. Der studierte Europarechtler und Literaturwissenschaftler war Abgeordneter der sozialdemokratischen Partei der Arbeit (PvdA).
Was haben die Europäer im Osten und im Westen aus der Geschichte gelernt?
Wie gehen die Gesellschaften mit der neu gewonnenen Freiheit um?
Was sind die Konsequenzen der geteilten Geschichte?
Teilen die Europäer ihre Geschichte? Finden die getrennten Erinnerungen zusammen?