Die Stimme des jungen Europa

In Zusammenarbeit mit dem Studienkolleg zu Berlin

Wir sind neugierig, wie eine junge Generation über die Geschichte und über die Zukunft Europas denkt. Eine Generation, die die beiden Diktaturen des 20. Jahrhunderts nicht persönlich erlebt hat. Eine Generation, die die Geschichte "nur" aus Büchern und Erzählungen kennt. Insbesondere wollen wir dabei wissen, ob es Europäern heute gelingt, ihr Erlebnisse weiterzuerzählen, und die daraus gezogenen Lehren an eine neue Generation zu vermitteln. Auch wollen wir wissen, was jungen Europäern heute die Geschichte sagt. Was sie von ihrer Vätern und Müttern wissen wollen. Welche Fragen sie bewegen.

Deshalb stellen Studienkollegiaten "Die Fragen des jungen Europa" an unsere Redner. 


   

David Imhof (Schweiz) fragt

Karel Schwarzenberg (Außenminister Tschechien) und Karl Schlögel (Autor, Historiker), 

Doppelgedächtnis 1, Automobilforum Skoda, Februar 2008

  

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  • Herr Schwarzenberg, die Amerikaner haben Ihrem Land drei Mal entscheidend geholfen: 1918, als die Tschechoslowakei gegründet wurde, im Zweiten Weltkrieg mit der Befreiung von Nazi-Deutschland und schliesslich 1989, dank Reagans harter Haltung gegenüber der Sowjetunion. Welche Hilfe bekamen Sie aus Deutschland?  Bei soviel verständlicher Sympathie für Amerika erscheint mir die Verbindung zur EU geradezu etwas nüchtern zu sein. Ist die Tschechische Republik mit der EU bloss eine Vernunftehe eingegangen?
  • Herr Schlögel, mehr als 60 Mio. Menschen – der überwiegende Anteil entfällt auf die östliche Hälfte Europas – mussten in der ersten Hälfte des 20. Jh. ihre  Heimat verlassen. Insofern könnte man die Entwurzelung als eine europäische Erfahrung des letzten Jahrhunderts darstellen. Allerdings wurden „Europas Bürger“ nicht als Europäer, sondern als Deutsche, als Polen oder als Albaner vertrieben. Wie ist es angesichts dieser national bestimmten Erfahrungen möglich, diese Vorgänge europäisch in Erinnerung zu rufen?

              

Claudia Keller (Jüdische Studien, Neuere Geschichte und Politikwissenschaften) und Frederik Schmidinger (Jura)

fragen Ivan Krastev (Bulgarien) und Mark Leonard (Großbritannien)


Doppelgedächtnis 9, Humboldt-Universität zu Berlin, Mai 2009


 

Bryn Watkins (Großbritannien) und Larissa Zierow (Deutschland) fragen

Radoslaw Sikorski, den Außenminister Polens, Europäische Kommissionsvertretung,

Doppelgedächtnis 6, Dezember 2008

  • Welche Bedeutung hatte die lange Zeit, die Sie als junger Mensch im Ausland verbracht haben, für die Beziehung zu seiner Heimat Polen?
  • Das polnische Volk musste sowohl unter den Deutschen als auch unter den Russen leiden. . Welche Rolle spielte dieses Leiden für die Herausbildung einer Identität?
  • Was ist Polens Position gegenüber den Ländern Westeuropas und wie sind seine Beziehungen zu den Vereinigten Staaten von Amerika? Ist Westeuropa oder sind die USA „der beste Freund“ von Polen?


    

Anna Leidinger (Deutschland/Polen) und Hanna Pilawa (Polen) fragen
den Präsidenten des Europäischen Parlaments Hans-Gert Pöttering und Außenminister a.D. Wladyslaw Bartosewski,
Doppelgedächtnis 4, Deutsche Telekom Repräsentanz Berlin, September 2008
  • Angesichts der wachsenden Angst vor dem Zustrom von Arbeitnehmern aus den neuen Mitgliedsstaaten frage ich Herrn Pöttering, was er dafür tut, damit diese Art der Migration nicht nur als großzügige Einladung der Regierungen der alten Mitgliedstaaten wahrgenommen wird und wie er als Präsident des EP den Menschen verdeutlicht, wie sehr sie diese Arbeitnehmer brauchen.
  • Nach dem Regierungsw echsel in Polen im vergangenen Jahr war ein hörbares Aufatmen besonders in Deutschland ein hörbares Aufatmen zu vernehmen. Was h at sich denn nun wirklich verbessert in den deutsch- polnischen Beziehungen? (diese Frage ging an beide Referenten)





Bianca Craciun (Rumänien) und Rosa Merino Claros (Spanien) fragen
Adolf Muschg (Schweizer Autor) und Juri Andruchowytsch (Ukrainischer Autor)
Doppelgedächtnis 7, Akademie der Künste Berlin, März 2009

Gibt es eine östliche und eine westliche Geschichtsrezeption? Wenn ja, hat dies Ihre Werke beeinflusst?

• Literarische Wirklichkeit wird zur Möglichkeit einer historischen Realität, denn Literatur kann die Auffassung von Geschichte mitprägen. Sie haben beide gemeinsam, als Autoren, die Möglichkeit der Erinnerungskultur mitzuprägen. Wie sehen Sie als Schriftsteller das Verhältnis zwischen Fiktion und Realität, zwischen Historie und Literatur? Wie verantwortlich fühlen Sie sich im Prozess der Bildung einer bestimmten Erinnerungskultur?

• Aristoteles in seiner Poetik hält die Dichtkunst für höher als die Historie, da der Dichter nicht nur erzählen kann, was geschehen ist, sondern auch das, was geschehen sein konnte. Adorno dagegen, sah die Unmöglichkeit der Dichtkunst nach Auschwitz. Welche Rolle spielt die Geschichtsrezeption in ihren Werken? Aristoteles oder Adorno?

• Falls Sie zur Bildung der kollektiven Erinnerungskultur beitragen möchten: Welche Entwicklung in der heutigen Rezeption der ungeheuren Geschichte Europas im 20. Jhdt sehen Sie, und ich welcher Entwicklung möchten Sie aktiver Teil werden?


   

Bart Willem Luttikhuis (Niederlande) und Elena Sotres (Spanien) fragen

Anne Applebaum (amerikanische Journalistin, Gulag-Forscherin) und Virgis Valentinavicius (litvanischer Philosoph, Politologe, Fernsehjournalist) 

Doppelgedächtnis 3, Europäische Kommissionsvertretung Berlin, Juni 2008

Diese Vortragsreihe hat meine besondere Interesse, weil ich mich in meinem Studium mit ähnlichen Themen befasse. Dieses Semester nehme ich teil an Seminare bezüglich der 'Umgang mit der NS-Vergangenheit in Europa', sowie bezüglich der 'Geschichtspolitik in der BRD und der DDR im Vergleich'. Darüber hinaus werde ich im Laufe dieses Hochschuljahres meine Masterarbeit schreiben über die Weise, in der Politiker der Bundesrepublik die Geschichte interpretiert, verarbeitet, und auch instrumentalisiert haben (eine Spezifizierung des Themas steht noch aus). Außerdem befasse ich mich im Rahmen des Studienkollegs mit der Umgang mit historisch geladener Architektur in Europa. (Bart Willem Luttikhus)