Der Europa-Almanach
Hrsg. von Hermann Rudolph und Zsuzsa Breier
Bostelmann & Siebenhaar Verlag, Berlin 2005
ISBN 3-936962-27-8, 144 Seiten, 17,90 EUR
Eine Publikation des KULTURJAHRES der ZEHN /Gesellschaft zur Förderung der Kultur im erweiterten Europa E.V.
Die Herausgabe wurde durch Mittel der Bundesbeauftragte für Kultur und Medien ermöglicht.
Im Mai 2004 wurde die Europäische Union um zehn Länder erweitert. In den darauffolgenden zwölf Monaten veranstalteten die Beitrittsländer mit über 50 deutschen Partnern das KULTURJAHR DER ZEHN. Die überwältigende Resonanz zeigte: Das Bedürfnis nach einem Dialog ist auf beiden Seiten groß. Der Europa-Almanach gibt Einblick in die verschiedenen Kulturbereiche der neuen EU-Länder, ebenso in Wirtschaft, Verfassung, Recht und Geschichte. Was ist mit dem Beitritt in den neuen Ländern »europäischer « geworden? Welche Idee von Europa bringen sie mit, welche Erwartungen und Befürchtungen existieren in den »alten« und den »neuen« EU-Ländern? In Gesprächen und Begegnungen dokumentiert der Europa-Almanach die Auswirkungen eines der ambitioniertesten europäischen Projekte nach dem Ende des Kalten Krieges.

Dr. Zsuzsa Breier, Jg. 1963, Studium der Literaturwissenschaft in Budapest und Berlin. Diplomatin der Ungarischen Botschaft in Berlin, Vorsitzende der Geschäftsführung im Verein »Gesellschaft zur Förderung der Kultur im erweiterten Europa«. Zahlreiche Veröffentlichungen zur Kulturpolitik in Ungarn und Deutschland.
Dr. Hermann Rudolph, 1939 in Oschatz/Sachsen geboren, aufgewachsen in der DDR, 1959 Flucht in die Bundesrepublik. Studium der Literatur- und Sozialwissenschaften in Freiburg, München und Tübingen. Herausgeber des Tagesspiegels, Berlin. Zahlreiche Veröffentlichungen zu Politik und Gesellschaft.
Mit Beiträgen von u.a.: Hans-Jörg Clement, Jan Figel, Joschka Fischer, Matthias Flügge/Eclhardt Gillen, Wolfgang Gerhardt, Ulrich Gregor, Dieter Grimm, György Konrád, Marko Martin, Adolf Muschg, Hans Ottomeyer, Alexander Tolnay/Manfred Schmalriede, Christina Weiss, Klaus Wowereit
Inhaltsverzeichnis
Richard von Weizsäcker
„Europa ist die Schule des Zusammenlebens.”
György Konrád
Zum Geleit
Vorwort des Herausgebers
Ján Figel: Die Erweiterung als Beitrag zur Europäisierung
Christina Weiss: Das neue Europa durch Kultur erlebbar machen
Klaus Wowereit: Das KULTURJAHR der ZEHN begeistert für Europa
Erinnerung und Geschichte
György Konrád: Europa erlernen
Hans Ottomeyer: Die Grenzen Europas sind seine inneren Grenzen
Marko Martin: Wenn sich Menschen erinnern. Zeitzeugen aus den zehn neuen EU-Ländern
Lyrische Impressionen
Geist und Kultur
Hans-Jörg Clement: Grenzenlose Anverwandlung. Nationale Kunst im transnationalen Europa?
Matthias Flügge / Eckhart Gillen: Die durchbrochene Zeitmauer. Distanz und Nähe: Bilder aus Osteuropa
Alexander Tolnay / Manfred Schmalriede: Bitte lächeln, Aufnahme!
Ulrich Gregor: KULTURJAHR der ZEHN – Moderne Mythen. Neuschreibung der Filmgeschichte?
Lyrische Impressionen
Suche und Verwandlungen
Astrid Wokalek: Die zweite Transformation – Tendenzen der Stadtentwicklung
Susanna Schmidt / Wolfgang Vögele Gebäude des Glaubens – Architektur der Macht? Religion und Politik in Städten Ost(mittel)europas. Den Raum der Kirchen lesen
Lyrische Impressionen
Neue Länder und neue Generationen
Markus Fein: Zehn Farben eines Regenbogens. Ein Gespräch mit jungen Komponisten
aus den neuen EU-Ländern
Mirko Schwanitz / Jutta Schwengsbier: Traut Euch!
Lyrische Impressionen
Nationales versus Europäisches?
Wolfgang Gerhardt: Wir brauchen die Zusammenarbeit
Eckhart D. Stratenschulte: Europa in der Warteschleife? – Die erweiterte EU vor der Erweiterung
Hugo Dicke: Das Europäische in Wirtschaft und Kultur
Dieter Grimm: Nationales versus europäisches Recht?
Galerienrundgang/Das KULTURJAHR der ZEHN in Bildern
Lyrische Impressionen
Europäische Korrespondenzen
Adolf Muschg: Für ein Europa der Gastlichen. Essay-Briefwechsel mit Eszter Babarczy, Peteris Bankovskis, Charles Briffa, Antanas Gailius, Michael Hvorecký, Panos Ioannides, Tomasz Jastrun, Toomas Kiho, Dean Komel, Jan Šícha
Perspektiven
Hermann Rudolph: Das neue Europa sucht sich selbst
Zsuzsa Breier: Europas Balance zwischen Verengung und Erweiterung
Lesen Sie aus dem Europa-Almanach:
Zum Geleit:
Mag die im Jahre 2004 erfolgte Erweiterung der Europäischen Union um zehn neue Mitgliedsstaaten für die Politiker in Europa eine Erfolgsgeschichte gewesen sein, für die Bürger in den neuen EU-Ländern nach dem Zerfall „einer Diktatur des unglaublich schlechten Geschmacks” die Rückkehr in das freie Europa, für die der alten EU-Länder Angst und Zweifel angesichts des bröckelnden westeuropäischen Wohlfahrtsstaats – eines war und ist es für alle: Abschluss und Neuanfang. Ab da ist es nur eine Frage der Mentalität und der Perspektive, wie man diese Zäsur wahrnimmt. Manche reden von einem halbvollen, manche von einem halbleeren Glas – je nach optimistischer oder pessimistischer Veranlagung, wohl aber auch angesichts so unterschiedlicher historischer Erfahrungen.
Das vorliegende Buch ist als erster Band der Schriftenreihe „Europa-Almanach” gedacht. Es nimmt Bezug auf den bislang einzigen deutschsprachigen Europa-Almanach, der im Jahre 1925 in Leipzig erschien. Der Verleger Kiepenheuer kündigte damals einen repräsentativen Band „mit über 100 Abbildungen und ca. 80 literarischen Beiträgen europäischer Mitarbeiter” an. Die Europäische Union war damals noch nicht in Sicht, entsprechend verstand man unter Europa nicht den westlichen Teil des Kontinents, sondern „die ganze Größe”. Erstaunlich und erfrischend ist aus heutiger Sicht – der wegen der jahrelangen Begrenzung Europas auf die „alte” Europäische Union manche Einschränkungen anhaftet – die Selbstverständlichkeit, mit der man sogar diese ganze Größe noch auszuweiten gedachte.
Europa nicht als geographische, sondern als kulturelle Größe zu denken: Hier wollen wir anknüpfen. Am Ende eines einjährigen Dialogs der zehn neuen Mitgliedsstaaten mit ihren „alt-europäischen” deutschen Partnern wollen wir resümieren: Wo steht Europa im Jahre 2004/2005? Was für einen Horizont bringen die zehn Neuen in das erweiterte Europa ein? Wie lassen sich die machtpolitisch gesetzten, praktisch „zurückversetzten” Grenzen der Union ausweiten? Wie die tiefen Gräben der Teilung Europas auch in den Köpfen überwinden? Wo gehen wir gemeinsam hin?
Die Herausgeber greifen einen Europa-Begriff auf, der Europa als breiten, „weitherzigen”, und zudem als geistigen Raum fasst. Die Beiträge des vorliegenden Bandes haben ohne Ausnahme einen Bezug zum KULTURJAHR der ZEHN. Im Rahmen der gemeinsamen Initiative der zehn neuen EU-Länder in Deutschland und mit deutschen Partnern stellten die zehn Neuen ihre Fragen an Europa. Auch wenn die gemeinsamen Überlegungen dabei weit über die beteiligten elf Länder hinauszuweisen vermögen,wollen wir von vornherein festhalten: Das KULTURJAHR der ZEHN sowie unser Band beschränken sich beim Europa-Dialog im ersten Jahr der Erweiterung auf die Fragen der „10 plus 1”. Erst durch diese Konzentration auf die Zehn ist aus unserer Sicht das Erfassen eines wichtigen Moments in Europa zu leisten, das über das rein Theoretische und Spekulative, über Allgemeinheiten hinaus, ihre Beiträge aus dem erfahrenen Europa schöpft. Unsere Autoren beteiligten sich an den Gemeinschaftsprojekten der Zehn, in Gesprächen und Kunst-Dialogen machten sie ihre eigenen Erfahrungen mit den Zehn. Diesen einmaligen Aspekt würdigt Klaus Wowereit in seinem Beitrag, wenn er feststellt: Die Begegnungen im Rahmen des KULTURJAHRES der ZEHN haben zweierlei geleistet: Europa erleben zu helfen und für das erweiterte Europa zu begeistern. Was dabei diskutiert wurde, was in den Kunst-Projekten sichtbar wurde, spricht nach unserer Überzeugung insgesamt von Europa, von den Fragen, die Europa im Jahr der größten Erweiterung der Europäischen Union bewegten. Es geht um die Herausforderungen, die mit der Erweiterung auf Europa zugekommen sind. Es geht um eine historische Momentaufnahme kurz vor dem „Nein” der Franzosen und Niederländer zu der Europäischen Verfassung, kurz vor dem Eintritt einer massiven Europa-Skepsis.
Über 500 Künstler, Philosophen, Schriftsteller, Architekten, Filmemacher, Musiker und Komponisten,Galeristen, Kirchenpolitiker, junge Europaabgeordnete und alte Zeitzeugen, Historiker, Opernsänger und DJ’s, Verfassungsrechtler, Karikaturisten, Wirtschaftsexperten und zivilgesellschaftliche Akteure aus den neuen EU-Ländern haben wir eingebunden in unseren Europa-Dialog. Die spannendsten Momente und Aussagen fasst unser Band zusammen.
Was haben die Neuen in ihren Rucksäcken? Ist ihr Respekt vor dem Tradierten Rückständigkeit? Ihr Beharren auf eine europäische Kulturtradition, auf klassische Bildung Konservatismus? Reicht es aus, wenn das Alte gepflegt wird? Hat Wolfgang Vögele Recht, wenn er schreibt, „der bloße Anblick von Kirchen sorgt dafür, dass Städte nicht in der Dimension des Gegenwärtigen untergehen”? Und was bedeutet es dann für die Städte, wenn „in den letzten 15 Jahren in der Slowakei circa 300 neue Kirchen entstanden sind und in Prag keine einzige”? fragte Susanne Schmidt. Was für Gründe gibt es dafür, und was sind die Konsequenzen?
Europas Kulturkomissar Ján Figel stellt eine provokante These auf: Nicht zuletzt durch einen kulturellen Beitrag sei die EU heute europäischer als sie vor der Erweiterung gewesen sei. Ist es Überheblichkeit, wenn ein estnischer Germanist behauptet, Goethe würde in Estland mehr gelesen und mehr geschätzt als in Deutschland? Eine mögliche Erklärung hierfür liefert ein junger ungarischer Opernsänger, wenn er sagt, klassisches Bildungsgut hätte man in der Zeit der großen Lügen als besonderen Schatz gepflegt: „Es war wichtig nicht nur für die Identität, sondern auch weil darin immer ein Element der Subversion keimte”. Mirko Schwanitz und Jutta Schwengsbier begleiteten die jungen Sängertalente, die nach einem dreimonatigen Stipendium-Aufenthalt in der Komischen Oper in der Regie von Peter Konwitschny „Don Giovanni” spielten, und stellen fest: es war vor allem eine Mutprobe. Die Begegnungen der Neuen mit den Alten fordern beide Seiten heraus. Sie fordern Mut und Vertrauen. Auch muss man über den eigenen Schatten springen können – was den jungen Sängern bravourös gelungen ist. Liest man die Beiträge, die aufgrund der Aussagen der „Neuen”, jedoch aus der Feder der „Alten” stammen, kann man sich des Eindrucks manchmal nicht erwehren, die Neuen seien neugierig, wissbegierig, strebsam, die Alten gleichgültig, uninteressiert bis arrogant, was die gemeinsame Gestaltung Europas betrifft. Matthias Flügge und Eckhardt Gillen kommen in der Einleitung zu der „E.U.positive”- Ausstellung in der Akademie der Künste zu dem Schluss: „Die Bilder, Zeichen und Begriffe (der Ausstellung) machen deutlich, wie wenig wir von den Transformationsprozessen, Traumata, Ängsten in diesen Ländern wissen”. Die Autoren bestätigen Christoph von Marschall, der eine „Mauer der Nichtwahrnehmung” beklagt. Jan Šícha, der die Neuen als „die Hungrigen nach Europa” bezeichnet, hält den Alten einen Spiegel der „Sattheit” und „allgemeine Lustlosigkeit” vor. Lustig war der mit einer oberflächlichen Großzügigkeit (oder auch rein irrtümlich?) als fröhliche Baracke bezeichnete Ostblock dabei keinesfalls. Auch der Humor reichte lediglich für ein „Lächeln”, wie Alexander Tolnay und Manfred Schmalriede feststellen. Der Humor war „Reservat”, „eine Art kollektives ‚Unbewusstes’ gegenüber dem von oben verordneten Verhalten”. Im Rechts- und Verfassungsdenken der Neuen – zu diesem Schluss kommt der Verfassungsrechtler Dieter Grimm – gibt es fast keine Position, in der Souveränitätsbedenken fehlten. Zwar stünden nationales und europäisches Recht im Grunde nicht als Gegensätze zueinander, wohl aber stoße die Absage an die erst kürzlich wieder errungene Souveränität in den meisten Ländern auf Widerstand. Sollten die Nationen ihren „ideologischen und staatlichen Egoismus” zwar zum Wohle Europas glücklicherweise überwunden haben, sei die „freiwillige Beschränkung” der schwierig erkämpften eigenen Souveränität doch nicht als Selbstverständlichkeit zu nehmen, meint Thomas Jastrun aus Polen, während ein junger ungarischer Politologe in einem Gespräch um Verständnis für das „Auskosten der nationalen Souveränität” wirbt.
Was prallt nun bei der Begegnung der Neuen mit den Alten aufeinander? Welche historischen Erfahrungen, was für persönliche Erinnerungen treffen zusammen? Stellt der deutsche Außenminister a.D. Joschka Fischer Europa als Friedensprojekt dar, so nennt er damit wohl die einzige im Westen und im Osten gleichwohl anerkannte Leistung der Europäischen Union. Marko Martin, der in seinen Gesprächen mit Zeitzeugen erleichtert konstatierte, dass die Träger von traumatischen osteuropäischen Lebensgeschichten sich keinesfalls als grimmige Märtyrer geben, stellt angesichts der Wahrnehmung dieses Kapitels osteuropäischer Geschichte jedoch ein unüberwindbares Kommunikationsgefälle fest: „Wenn es um Fragen existentieller Dringlichkeit geht, wird auch unser Wellness-Vokabular reichlich obsolet.” Dass für die Zehn dieses vor kurzem verabschiedete, aber keinesfalls vergessene Kapitel noch bei weitem nicht als abgeschlossen gilt, stellt Ulrich Gregor heraus: Die Erfahrungen im kommunistischen Regime liefern auch jungen Regisseuren bis heute „eine Fülle von Stoffen, Anregungen und Reflexionen”. Und worin äußert sich das Wesen des Europäischen nach diesem Zusammenkommen von Ost und West? Hugo Dicke befragt Wirtschaftsexperten und Kulturschaffende, die fast einhellig ein Defizit beklagen, nämlich das des europäischen Gemeinschaftsgefühls. „Mehr selbstverantwortliches Handeln” statt einer „sich ausbreitenden Kultur der Abhängigkeit vom Wohlfahrtsstaat” stellen sie sich unter dem „Europäischen” vor. Mehr Identitätsgefühl mit Europa. Statt Kommerzialisierung ein Bewusstsein für gemeinsame Werte. Und wie man dies erreichen könnte: „Ein Wandel im System der kulturellen Bildung im gesamteuropäischen Maßstab und die Schaffung besserer Bedingungen für gemeinsame europäische Kulturprojekte” könnte eine wahrhaft europäische Gemeinschaft hervorbringen. Ganz in diesem Sinne fordert Christina Weiss die Entfaltung von „emotionellen Bindekräften” und einer „geistig-kulturellen Gestalt des Kontinents”.
Die Intellektuellen-Korrespondenz, die Adolf Muschg mit zehn Beitrittsländlern geführt hat, stellte die Frage nach einem „nicht mehr blutigen, aber auch nicht ganz blutleeren” europäischen „Wir- Gefühl”. Keinesfalls einheitlicher fallen die Antworten aus: Während Antanas Gailius das europäische „Wir” nüchtern als Geschäft, als Partnerschaft, „ein wenig höfliche Neugier” sieht, definiert es Dean Komel als vielversprechende „Eröffnung eines Gesprächs”, die sogar „andere Großmächte zu einem Dialog über die wesentlichen Fragen der gegenwärtigen Humanität” zu verlocken vermag. Eszter Babarczy befürchtet jedoch, dass es bei einer „Zweckdienlichkeit ohne eigene Identität” bleiben wird, denn an „unsichtbaren Identitäten”, wie eben das europäische „Wir”, ist es schwer zu glauben, geschweige denn daraus eine kulturelle Identität zu kreieren. Muschg und die zehn Intellektuellen wünschen sich Europa nicht als Supermacht, sondern als „Laboratorium gesellschaftlichen und staatlichen Zusammenlebens”, als „Pionierprojekt der Zivilisation”. Dazu braucht es noch einige Anstrengungen, meint György Konrád, der die Europäer, wohl mit guten Gründen in eine „Schule des Zusammenlebens” verweist. Und was gäbe es zu lernen in dieser europäischen Schule? Die Debatten über das jeweilige Selbstverständnis lassen erkennen, dass, so Hermann Rudolph, Kultur nichts Unpolitisches ist, sondern möglicherweise die Erfüllung von Politik, nämlich in dem Sinne, in dem Richard von Weizsäcker einmal davon gesprochen hat, dass „Kultur, verstanden als Lebensweise, vielleicht die glaubwürdigste, die beste Politik” sei. Der Historiker Hans Ottomeyer erinnert daran, dass es Europa nicht an identitätsstiftenden Leistungen fehlt. Die ganze europäische Kunst- und Kulturgeschichte sei ein Beweis dafür, dass es wohl eine gemeinsame nonverbale Kultur der Kommunikation gibt. Der Musikwissenschaftler Markus Fein hat von den jungen Komponisten, die zu Schubert´s Winterreise Interludien zu schreiben beauftragt waren, mitgenommen, dass es in einem Europa der Zukunft auch darauf ankommt, Unterschiede nicht als Plus oder Minus zu werten, auch nicht unbedingt zu lieben, wohl aber respektieren zu können. Auch sollte Musik, wo immer sie entstanden ist, einen Hauch ihres Entstehungsorts mitatmen. Hans-Jörg Clement zieht aus dem Gespräch mit Künstlern und Galeristen, die die Chemie des europäischen und des nationalen Bewusstseins zu enträtseln suchten, die Folgerung: ein aufregendes Kapitel beginnt in der Kunstgeschichte, denn gleich sollen die Künstler zwar nicht werden, gleiche Chancen jedoch machen einen Vergleich erst möglich und spannend.
„Auf gleicher Augenhöhe” war eine der Devisen des KULTURJAHRES der ZEHN. Chancengleichheit wäre eine gute Voraussetzung für ein „Europa der Gastlichen” im Sinne von Muschg. Ob jedoch unserSpielraum bei der Gestaltung Europas wirklich so groß ist, wie Eckhardt Stratenschulte mit seiner Feststellung, „Europa ist, was Europa sein will” suggeriert? Ist es so, dann müssen wir uns nur noch fragen, was für ein Europa wir wollen. Ist es aber eher so, wie Ottomeyer vorgibt, wenn er sagt, „Die Grenzen Europas sind vor allem seine inneren Grenzen”, drängt sich die Frage auf, wann die letzten Schranken zwischen Ost und West fallen? Und dann ist es nur noch eine Frage der Veranlagung, ob man das Glas als halbvoll oder als halbleer empfindet...
Die Erfahrung, dass es nicht unnütz ist, die Grenzen aufzubrechen, ist die gemeinsame Erfahrung der neuen EU-Länder. Sie soll ermutigen: auch das Aufbrechen der inneren Grenzen ist keine Unmöglichkeit. Es gilt jedoch, sich mit vereinten Kräften der Überwindung der Barrieren anzunehmen.Im ersten Jahr der Erweiterung gab es viele, die zum Erfolg des vom KULTURJAHR angesetzten Dialogs zwischen Ost und West, zwischen Alt und Neu beigetragen haben. All jenen gilt mein Dank, denn ohne die zahlreichen Partner, Unterstützer und Förderer wären weder die Annäherungen noch dieser Band möglich gewesen. Für die großzügige Unterstützung gilt der Dank vor allem Christina Weiss, der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, die das Projekt erst ermöglichte. Für das Vertrauen und den engagierten Einsatz sei Altbundeskanzler Richard von Weizsäcker und dem Regierenden Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, gedankt; für die Übernahme der Schirmherrschaft Bundesaußenminister a.D. Joschka Fischer und den Außenministern der zehn neuen EULänder. Gedankt sei unseren Hauptpartnern, der Akademie der Künste, dem Auswärtigen Amt, der Commerzbank, dem Deutschen Akademischen Austauschdienst, der Deutsche Bank Stiftung, dem Neuen
Berliner Kunstverein, der Robert Bosch Stiftung, der Schering Stiftung, der Senatskanzlei von Berlin, der
Stiftung Brandenburger Tor, der Stiftung Kulturfonds/Schloss Wiepersdorf und der Vertretung der
Europäischen Kommission in Deutschland.
Für die Zusammenarbeit und Förderung einzelner Veranstaltungen sei dem ART FORUM Berlin, dem
Berlinale Talent Campus, der Buchhandlung Hugendubel, der Bundeszentrale für Politische Bildung, dem
Deutschen Historischen Museum, dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag, der Dresdner
Bank, der Dr. Schmidt AG & Co., der Europäischen Akademie Berlin, der Evangelischen Akademie
zu Berlin, der Fête Company, den Freunden der Deutschen Kinemathek/Kino Arsenal, der Friedrich Ebert
Stiftung Forum Berlin, der Heinrich Böll Stiftung, der Vertretung des Lan
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