Aus den Doppelgedächtnis-Reden„Einige schwärmten [in den 30er und 40er Jahren] für Hitler, andere stellten Stalin aufs Podest, und keiner wollte wahrhaben, dass beide Diktatoren nach dem Molotow-Ribbentrop-Pakt zwei volle Jahre lang Verbündete und Freunde gewesen waren. […] Sie verschlossen hartnäckig die Augen vor der Tatsache, dass beide totalitäre Systeme Blutsgeschwister sind. Eben weil sie beide totalitär sind, entsprechen sie einander wie Spiegel: der eine verzerrt zur Rechten hin, der andere zur Linken hin verzerrt, aber bei verstümmelte, hässliche Zerrbilder der Werte des europäischen Humanismus, die über viele Jahrhunderte unter so hohen Kosten an menschlichem Leid und Mühsal entwickelt worden waren.“ Vaira Vike-Freiberga"If some day Europe is to speak with one voice on matters of crucial importance to its future, it needs a common historical consciousness. We will be able to attain it only if we refrain from trying to exploit different, often contradictory historical experiences for short-term political gain; instead, we need to work for a common perception of the past. It is a viable goal, ough not attainable within one generation." Radoslaw Sikorski„Europa muss sich der Ukraine öffnen. Mit einem Maß an vernünftiger Übertreibung kann man sagen, dass die Ukraine auf ihrem „Weg zur Freiheit, wo die europäischen Völker warten“ heute ungefähr dort steht, wo sie vor zehn Jahren war: in der grauen postsowjetischen Zone der Perspektivlosigkeit. Trotz allem bin ich überzeugt davon, dass wir zur Gemeinsamkeit bestimmt sind, und Europa unweigerlich vereint sein wird. Dafür gibt es eine feste Garantie – Russland. Unser großer und mächtiger nord-östlicher Bruder und Nachbar tut alles dafür. Es fragt sich nur, welcher Preis für diese künftige europäische Wahl zu zahlen sein wird – im nächsten Jahrzehnt. Juri Andruchowytsch“The crisis puts post-national politics on trail. It revokes collective national experiences and brings back national narratives. Germany’s policy response to the crisis can be explained best in terms of Germany’s experiences in 1920s and 1930s. The post-national nature of the EU institution clashes with the national memories of the past. What Europeans have discovered in the recent months is that we do not share the same history what we share is the same lessons of European history. But is this enough for sustaining European solidarity in rough times? Ivan Krastev"Russia’s current elite is certainly not Soviet nor Stalinist, and it is not trying to re-create the Soviet union. However its leading members are people who were raised and trained not merely in the Soviet union, but inside the culture of the old KGB [...]. And in the old Soviet, KGB mindset, there was simply no such thing as neutral or objective history: it does not and cannot exist." Anne Applebaum"The Lithuanian historic memory is now divided between the passionate minority of researchers and some activist citizens versus the indifferent majority and post communist government. In the foreseeable future, in terms of political battle over memory, the passionate minority will probably be at the loosing end. But at the same time there are seeds of memory which are taking root elsewhere, that is among young people." Virgis Valentinavičius"Slowenien ist das einzige postkommunistische Land der EU, das auf staatlicher Ebene den Kommunismus nicht verurteilt hat. Vor kurzem wurde in der Hauptstadt Ljubljana gar wieder eine Straße nach Tito benannt. Gegenwärtig gibt es eine heftige Debatte um die Entschließung des Europäischen Parlaments vom 2. April 2009 zum Gewissen Europas und zum Totalitarismus. Der 23. August wurde vom offiziellen Slowenien nicht als europäischer Gedenktag an die Opfer des Kommunismus und des Nazismus begangen. Bei der regierenden linken Koalition besteht wenig Neigung, sich kritisch mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen..." Tamara Griesser-Pecar |