doppelgedächtnis: debatten für europa
Europa in seiner heutigen Form blickt auf bald 20 Jahre zurück. Der Umbruch um 1989/90 beendete den Kalten Krieg und die deutsche und europäische Teilung. Nach der Epoche der politisch-ideologisch verfeindeten Blöcke begann eine neue europäische Entwicklung in Freiheit und Demokratie.
Für die Länder des ehemaligen Ostblocks gilt es, sich mit über 40 Jahren kommunistischer Diktatur auseinanderzusetzen. Der Prozess der Aufarbeitung spielt in den Transformationsprozessen der neuen Demokratien eine Rolle. Der Umgang mit Geschichte in Europa hat über die Grenzen der Nationalstaaten hinaus eine europäische Relevanz und auch eine Bedeutung für die Welt. Die Erinnerung an die Überwindung der Diktaturen in Europa macht Sinn, wenn sie von gegenwärtigen Positionen heraus und mit Blick auf die Zukunft erfolgt.
Die Vortrags- und Diskussionsreihe „Doppelgedächtnis: Debatten für Europa“ fragt danach, was Europas Länder aus ihrer Vergangenheit für die Zukunft mitnehmen. Das Ringen um den zukünftigen Kurs und das Selbstverständnis der EU ist noch heute stark geprägt vom so unterschiedlichen Verständnis und Umgang mit der europäischen Geschichte vor und nach 1989.
Lesen Sie die Beiträge! Klicken Sie links auf einen der Redner!
Die Doppelgedächtnis-Filmschnitte auf YouTube
Die langjährige Beschäftigung mit den faschistischen Diktaturen hat zu belastbaren Ergebnissen geführt und vielenorts zur Entstehung eines antitotalitären Konsensus beigetragen. Dagegen ist die intellektuelle und praktische Aufarbeitung der kommunistischen Diktaturen Europas in Wissenschaft, Öffentlichkeit und Politik noch unvollkommen und sehr ungleichmäßig vorangekommen. Die Erinnerung an sie ist wenig gefestigt und droht mancherorts zu entgleiten. Es bedarf der Klärung, welche Konsequenzen sie für die politische Kultur und Moral der europäischen Länder haben soll.
Wie geht das vereinte Europa mit seinen getrennten Erinnerungen um? Was für Einsichten werden aus dem gespaltenen Gedenken im Osten und Westen Europas gewonnen und gegenseitig vermittelt? Was für gemeinsame Strategien entwickelt Europa, das auch gegenwärtig nach der Balance zwischen Freiheit und Gerechtigkeit auf der Suche ist, aufgrund ihrer unterschiedlichen Erfahrung mit Geschichte, Ideologien und Politik? Was für Lehren, was für Botschaften gibt die jüngste Geschichte der Europäer für die Zukunft mit?
Über zwei Jahre hinweg laden wir insgesamt 24 Redner aus ganz Europa nach Berlin. Wir konfrontieren jeweils zwei Positionen: eine aus dem Osten und eine aus dem Westen Europas. Auf zwei Reden folgt ein moderiertes Gespräch. Jedes Gespräch schließt mit den „Fragen des jungen Europa“: Studenten aus Europa stellen ihre Fragen an die Referenten. Die Stimme des jungen Europa entsteht in Zusammenarbeit mit dem Studienkolleg zu Berlin.
Die Eröffnungsrede der Initiatorin auf YOUTUBE
